„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – Seherinnen im antiken Rom

Die Frage nach der Zukunft hat die Menschen schon immer beschäftigt. In Die Feuer von Pompeji trifft der Doktor und Donna nicht nur genau zum Ausbruch des Vesuvs in Pompeji ein, sondern er lernt auch die Sybillen kennen – eine Gruppe von Priesterinnen, die Sybellinen. Diese Frauen sagen durch das Einatmen von Vulkandämpfen nicht nur eine „Zeit des Sturms und Feuers“ voraus (was eine wirklich nett Umschreibung eines Vulkanausbruchs ist ) sondern auch die Ankunft einer „merkwürdigen blauen Kiste“. Durch diese Folge habe ich mich mit dem Thema Seherinnen einmal genauer beschäftigt:

Die Prophezeiungen der Sibyllen

Bei den Sybellinen haben sich die Machen von Doktor Who ziemlich nah an die wirkliche Geschichte gehalten: Die Sibyllen gab es wirklich. Dass sie tatsächlich in die Zukunft sehen konnen bezweifele ich, aber das hat ja bis heute die Leute nicht davon abgehalten an Wahrsagerei zu glauben. Auf jeden Fall gibt es zahlreiche Überlieferungen von einer Gruppe von Frauen, die später  – wohl aufgrund des Namens ihrer Gründerin – die „Sibyllen“ genannt wurden. Die Sibyllen waren „von Geburt an auserwählte Seherinnen“, die geschworen hatten, ihr leben lang Jungfrauen zu bleiben. Die ersten Sibyllen stammten vermutlich aus Kleinasien, allerdings ist über die einzelnen Sibyllen oft nur wenig bekannt. Auch ihre Namen wurden anscheinend nie festgehalten, da in den Überlieferungen die Sibyllen meist nur durch eine Ortsbezeichnung unterschieden wurden: Die Sibylle von Cumea (eine ehemalige griechische Kolonie in der Nähe von Neapel), die Sibylle von Delphi, usw. .

Schon zur Zeit des alten Roms kursierten viele Legenden und Spekulationen über die Sibyllen. Wahrsagerei war zwar in der Antike durchaus eine wichtige Stütze für die Menschen (und Bestandteil von so ziemlich jeder Heldensage), die Prophezeiungen der Sibyllen hingegen wurden oft gefürchtet, handelten sie doch meist von Katastrophen und anderen unglücklichen Ereignissen. Auch haben sie – anders als die Seherinnen bei Doktor Who wohl nie in ‚Orakelbetrieben‘ oder Tempel geweissagt. Sie sollen im Gegensatz zu anderen Sehern oder Orakeln immer ungefragt und spontan geweissagt haben.  Ihre Prophezeihungen schrieben sie dann auf einfachen Pflanzenblättern nieder.

Eine der bekanntesten Sybillen ist die Sybille von Cumea. Der lateinische Dichter Vergil schreibt in seiner ‚Aeneis‘, dass Sie den Halbgott Aeneas in die Unterwelt geführt und ihm prohezeite hätte, dass er einmal der Stammvater der Stadt Rom werden würde. Michelangelo setzte ihr dafür sogar in der Sixtinischen Kapelle in Rom ein Denkmal:

Sybille Cumea von Michelangelo
Kopie von Michelangelos ‚Sybille von Cumea‘. Das Original befindet sich in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Foto: NY Public Library

Die Sybillischen Bücher oder warum sich harte Verhandlungen manchmal nicht auszahlen

Auch eine andere Sybille (von der leider nichts bekannt ist, außer das sie eine Sybille war) machte im alten Rom von sich reden. Dazu muss man sagen, dass im alten Rom das Wahrsagen zu privaten Zwecken missbilligt wurde. Die Herrscher hatten Angst, jemand könnte eine Vorhersage für einen „göttlich sanktionierten“ Putschversuch nutzen – etwas, dass dann zum Beispiel bei den Kreuzrittern oder Johanna von Orleans wieder in Mode kam. Der Legende nach bot eine Sibylle dem damaligen König Tarquinius Superbus daraufhin neun Bücher voll mit ihren Prophezeiungen zum Kauf an. Der Kaiser schien durchaus interessiert, fand den Preis aber zu teuer. Daraufhin warf die Sybille drei der Bücher ins Feuer und forderte den gleichen Preis noch einmal. Tarquinius Superbus hielt das nun erst recht für Wucher. Da verbrannte die Sybille drei weitere Bücher. Aus Angst, dass alle Vorhersagen sonst verloren gehen, kaufte der Kaiser daraufhin zähneknirschend die restlichen drei Bücher zum ursprünglichen Preis.

Die nachfolgenden Kaiser scheinen aus diesem Vorfall gelernt zu haben, den später lies man alle Aufzeichnungen von den Sybillen konfiszieren und nach Rom bringen – die sogenannten sybillischen Bücher. Diese wurden dann bei Fragen zum Wohl des Staates oder dem Wohl des derzeitigen Kaisers zurate gezogen. Diese Prozedur lief immer nach dem gleichen Schema ab:

Wenn jemand ein böses Omen beobachtete z. B. sprechende Statuen oder mysteriöse Wolkenformationen, wurde der Senat unterrichtet. Der entschied dann, ob man die sybillischen Bücher zurate ziehen solle. Wie genau die Bücher konsultiert wurden, ob man sie einfach durchlas bis man etwas passendes fand oder ob es dazu irgendein Ritual gab, ist meines Wissens leider nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass die Bücher verschiedene Vorschriften lieferten, wie das drohende Unheil abgewendet werden könne. Dafür wurden dann etwa Opfer oder Geldspenden dargebracht oder man veranstaltete eine Prozession zu Ehren eines bestimmten Gottes.

Sybille - Schloss Schoenbrunn
Statue einer Sybille im Park von Schloss Schoenbrunn. Foto: public domain
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